VíctorJara & DeanReed - Festival
El Cultrún e.V. und »American Rebel«

Sonnabend, 10. September 2016, 14:00 Uhr, Berlin-Friedrichshain,
Willi-Münzenberg-Saal, Franz-Mehring-Platz 1, 1. Etage

_____________________________________________

                                                

Zu Ehren von Víctor Jara und Dean Reed veranstalten wir am 10. September ein Festival und Solidaritätskonzert im legendären Münzenberg-Saal in Berlin-Friedrichshain.

Los geht's um 14:00 Uhr mit Filmbeiträgen, Augenzeugenberichten und Musik über den Kampf der Unidad Popular, der chilenischen Gewerkschaften und des Präsidenten Salvador Allende für ein demokratisches und sozialistisches Chile.
Wir werden viel über die Freunde Victor Jara und Dean Reed erfahren, die den Wahlkampf aktiv unterstützt haben.

        Am Abend findet ein Solikonzert mit Tommy Sands
        und der Gruppe Cantaré statt.
                                                      
                                                       Das Ende der Veranstaltung steht noch nicht fest.


Der Solibeitrag für die komplette Veranstaltung von 14:00 Uhr bis "Open End" beträgt 10,00 € (ermäßigt 7,00 €). Überschüsse fließen dem Projekt "Schule zwischen zwei Welten" zu.


El Cultrún e.V.
Redaktion »American Rebel«

 

The Editors of the Online Magazine »American Rebel« and the Chilean Cultural Group »El Cultrún« present the great Victor Jara and Dean Reed Festival on 10 September 2016 in Berlin.
The performance begins at 14.00 with films, eye-witness accounts and music about the struggle of Unidad Popular, the Chilean Trade Unions and President Salvador Allende for a democratic and socialist Chile.
In the evening we have a "Solidarity Concert". We are happy to welcome the Irish folk singer Tommy Sands and the group "Cantaré". The concert will beginn at 8 p.m. and end late in the evening.
Contribution for the performance is 10 € (reduced rate : 7 €) The surplus will go to the Project »School Between Two Worlds«

El Cultrún e.V.
Redaktion »American Rebel«
 
_____________________________________________

Ablauf

Begleitprogramm: Donnerstag, 8. September, 14:00 Uhr;
Bln-Schöneweide, Britzer Straße. 5
Gemeinsamer Besuch im Dokumentationszentrum Zwangsarbeit. Mehr darüber

Begleitprogramm: Freitag, 9. Sept., 14:00 Uhr, Thälmann Denkmal, Bln-
Prenzlauer Bg., Greifswalder Str. 52
Kleine Gedenkveranstaltung zu Ehren Ernst Thälmanns. Mehr darüber

Begleitprogramm: Freitag, 9. September, 15:00 Uhr, Bln-Friedrichshain, Café Sibylle, Karl-Marx-Alle 72
Die Geschichte der Karl-Marx-Allee. Mehr darüber

Sonnabend, 10. September 14:00 Uhr; Willi-Münzenberg-Saal, Franz-Mehring-Platz 1, 1. Etage

VíctorJara & DeanReed - Festival
 13:30 Einlass
- 14:00 Begrüßung und Veranstaltungsbeginn, im Seminarraum 1, 1. Etage
verschiedene Programmpunkte, Musik und kleine Pausen, Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränke
- 16:30 Uhr, bis 17:55 Uhr, Film: El Cantor
- 18:10 Uhr bis 19:00 Uhr, Gespräche über den Film, Moderation F. B. Habel
gr. PAUSE
- Konzert, Willi-Münzenberg-Saal, 1. Etage (Catering durchgehend)
20:00 bis 21:30 - Tommy Sands
21:45 Uhr bis open End - Gruppe Cantaré
(Zeiten und Programmpunkte können sich noch geringfügig ändern)

Begleitprogramm: Sonntag, 11. September, 9:30 Uhr, Pegasus Hostel, Berlin-Friedrichshain,
Straße der Pariser Kommune 35
gemeinsames Frühstück mit Gästen und den Organisatoren. Mehr darüber
_____________________________________________
 
 
Unsere Gäste

Tommy Sands
»Irish Folk Musik vom allerfeinsten«

Traditionelle irische Musik ist in Deutschlad sehr beliebt und findet immer mehr Anhänger. Tommy Sands und die Sands Family haben durch unzählige Konzerte in der DDR und der BRD und weit über 20 Plattenveröffentlichungen in den letzten vier Jahrzehnten entscheidend dazu beigetragen.

Seine Vertrautheit mit der deutsch-deutschen Situation hat Tommy Sands in der Zeit des Mauerfalls zu seinem Song "Dresden" inspiriert, Wofür die Sands Family 1992 mit dem »Ravensburger Kupferle«, einem deutschen Kleinkunstpreis, ausgezeichnet wurde.

Tommy Sands bietet Irish Folk mit zeitgemäßen Texten. Die erlebte Unmittelbarkeit nordirischen Alltags spiegelt sich eindrucksvoll in Liedern wider, die hauptsächlich aus der Feder von Tommy und von Colum Sands stammen. Sie haben Songs und Balladen geschaffen, die - wie »There Were Roses« oder »Daughters And Sons« - zu Klassikern geworden sind und sogar in deutsche Schulbücher Eingang gefunden haben.

Die Sands standen immer an der Seite des nordirischen Volkes und unterstützen es in ihrem Kampf gegen die britische Militärwilkür.
Tommys Lied
»There Were Roses« ist eines der besten Songs, das je über den Nordirlandkonflikt geschrieben wurde. Der Song erzählt, wie Allan Bell ein protestantischer Freund der Sands, in Newry von republikanischen Paramilitärs ermordet wurde, über Rache und die Spierale der Gewalt.

Foto: Gabriele Senft, Berlin 1986

Im März 2009 wurde Tommy Sands, seine Tochter Moya und sein Sohn Fionan zu Pete Seeger's 90th Birthday Concert im Madison Square Garden in New York eingeladen. Dabei entstand diese eindrucksvolle Aufnahme:


Little Boxes
Übersetzung


Kleine Schachteln am Berghang
Kleine Schachteln, geschmacklos gefertigt
Kleine Schachteln am Berghang
Kleine Schachteln, alle sind sie gleich
Es gibt eine pinke und eine grüne
und eine blaue und eine gelbe
und alle sind sie geschmacklos gefertigt
und alle sehen sie einfach gleich aus

Und die Leute in den Häusern
Sind alle zur Universität gegangen
Wo sie in Schachteln gesteckt wurden
Und sie alle genau gleich wieder
herausgekommen sind
Und es gibt Ärzte und Anwälte
Und Führungskräfte von Unternehmen
Und alle sind sie geschmacklos gefertigt
Und alle sehen sie einfach gleich aus

Und sie alle spielen auf dem Golfplatz
Und trinken ihre Dray-Martinis
Und sie alle haben hübsche Kinder
Und die Kindern gehen zur Schule,
Und die Kinder gehen ins Sommercamp
Und dann zur Universität
Wo sie in in Schachteln gesteckt werden
Und sie alle genau gleich wieder herauskommen

Und die Jungen gehen in die Unternehmen
Und heiraten und gründen eine Familie
In Schachteln, geschmacklos gefertigt
Und sie alle sehen genau gleich aus


Chile

Chile, you're far away
Over the mountains and the
sea But we are with you all the way to freedom.
From afar I heard a song
Calling out it's countries wrong.
I couldn't really listen long
Our own sad bells were ringing.
But when the voice it came again
The singer changed around the names
The words and tune became the same
As the songs that we are singing.
There came a new light with Allende
Hero of the working man.
A new hope spread throughout the land
A healthy wind was blowing.
People's wealth was shared around
Rich men lost and poor men found
Living in the shanty-towns
Became a life worth living.
Chile, refuge of the free
The tyrants' tanks, they feared your dreams
They came and crashed you to your knees
Your blood flowed like a river.
But Chile, you are not alone
You've brothers all around the world
For working men to gain their own
We all must stand together.
Chile, you're far away
Over the mountains and the
sea But we are with you all the way to freedom.
                   
                                                      The Sands Family


There Were Roses


The men behind the wire

Through the little streets of Belfast
In the dark of early morn
British soldiers came marauding
Wrecking little homes with scorn.

Heedless of the crying children
Dragging fathers from their beds
Beating sons while helpless mothers
Watched the blood flow from their heads

Armored cars and tanks and guns
Came to take away our sons
Every man must stand behind
The Men Behind the Wire

Not for them a judge or jury
Or indeed a crime at all
Being Irish means they're guilty
So we're guilty one and all

All around the truth will echo
Cromwell's men are here again
England's name again is sullied
In the eyes of honest men

Proudly march behind our banner
Firmly stand behind our men
We will have them free to help us
Build a Nation once again

Hundred people step together
Proudly firmly on your way
Never fail and never falter
Till the boys are home to stay.

Cantaré – ich werde singen
»Lateinamerikanische Musik "Made in D"«

Die vier Musiker der Gruppe „Cantaré“ entführen ihr Publikum in mehrere Länder Süd- und Mittelamerikas und vermitteln Lebensgefühle jenseits der gängigen Lateinamerika-Klischees. Ihre Titel verlieren trotz eigener Arrangements nicht ihre Ursprünglichkeit, traditionelle Folklore wechselt mit Liedern progressiver Künstler, temperamentvolle Rhythmik mit sentimentalen Klängen. Lieder von Víctor Jara nehmen seit jeher einen festen Platz im Repertoire der Gruppe ein. Eine unterhaltsame Konzertmoderation bringt Hintergründe und Inhalte der Lieder nahe und stellt einige der über 20 verwendeten Instrumente vor, darunter indigene Flöten wie die doppelreihige Zampoña (eine Panflöte) und den Charango, eine kleine Gitarre aus dem Panzer eines Gürteltieres.

Matthias Nitsche, Gründer und Leiter der Gruppe, erinnert sich noch gut an eine Begegnung mit Dean Reed in seiner Jugendzeit: Inspiriert von Gruppen wie Quilapayún und Inti Illimani und tief berührt von den Ereignissen in Chile wurde seine Singegruppe „Iskra“ 1974, wenige Monate nach dem Militärputsch und der Ermordung Víctor Jaras von Dean Reed eingeladen, bei seinem Konzert in Thüringen mitzuwirken. Während der Bühnenprobe der Gruppe betrat Dean Reed unbemerkt den Saal und hörte zu, wie Matthias die deutsche Version von Jaras „Te recuerdo Amanda“ sang. Mit Tränen in den Augen umarmte er danach Matthias und sagte: „Er war mein Freund. Und Du musst immer weiter singen.“ Das tat Matthias Nitsche. Wenige Jahre später gründete er die chilenisch-deutsche Gruppe „Cantaré“. Die dritte und heutige Formation besteht inzwischen seit 20 Jahren. (weitere Infos unter www.cantare-online.de)


»Te recuerdo Amanda« von Víctor Jara
Deutsche Übersetzung:

Ich erinnere mich an Dich, Amanda

Ich erinnere mich an Dich, Amanda
die Straße nass
ranntest Du zur Fabrik,
wo Manuel arbeitete.

Du würdest Dich mit ihm treffen
mit ihm, mit ihm, mit ihm, mit ihm
sind es fünf Minuten,
das Leben dauert ewig
in diesen fünf Minuten.

Die Sirene heult,
zurück an die Arbeit
und Du gingst, erleuchtetest alles,
diese fünf Minuten
lassen Dich erblühen.

Ich erinnere mich an Dich, Amanda
die Straße nass
ranntest Du zur Fabrik,
wo Manuel arbeitete.

Das breite Lächeln, den Regen im Haar,
nichts war wichtig,
Du würdest Dich mit ihm treffen
mit ihm, mit ihm, mit ihm, mit ihm,
der in die Berge gegangen war,
der nie Schaden angerichtet hatte,
der in die Berge gegangen war
und in fünf Minuten
war er vernichtet.

Die Sirenen heulen,
zurück an die Arbeit
viele kamen nicht zurück,
auch nicht Manuel.

Ich erinnere mich an Dich, Amanda
die Straße nass
ranntest Du zur Fabrik,
wo Manuel arbeitete.

Besuch im Dokumentations- zentrum NS-Zwangsarbeitet mit fachkundiger Führung. Anschließend lockere Diskussionsrunde in einem Café in der Nähe


Hamish Kirk

Aus Schottland be- grüßen wir Harmish, der uns u. a. über die Asylpolitik Schottlands gegen- über politisch Verfolgten aus Chile, in den Jahren vor und in der faschistischen Militärdiktatur berichten wird.

Harmish ist ein weit gereister Mann und seine hervorragenden Deutschkenntnisse verdankt er den Umstand, dass er schon in der Schule deutsch gelernt hat und nach seinem Politik- und Geschichtsstudium in Edinburgh auch an der Freien Universität in West Berlin studierte. Danach war er Lehrer in Saudi-Arabien, Sambia und Bulgarien.
Als junges, kritisches Mitglied der CPGB (Communist Party of Great Britain) führte ihn sein Weg auch in die DDR und in die FDJ Jugendhochschule "Wilhelm Pieck" in Bogensee. Die sogenannte Wende erlebte Hamish in Bulgarien, wo er auch eine Familie gründete. Heute ist Hamish im linken Flügel der SNP (Scottish National Party) aktiv und engagiert sich u. a. für die Rechte der Mieter in seiner Heimatstadt.

 


______________________________________________

 

Wir zeigen den Film
                 El Cantor
 


 

 



 

¡El pueblo unido jamás será vencido!
"Ein vereintes Volk ist nicht zu besiegen"

 

Hintergrundinformationen zu den Ereignissen in Chile

Die Unidad Popular de Chile (1970 - 1973)

In den 1960er Jahren wurden, mit direkter Hilfe der USA und multinationaler Konzerne, in Brasilien, Bolivien und Argentinien Militärdiktaturen errichtet, welche die Interessen der mit dem US-Imperialismus verbündeten Oligarchie*1 vertraten. Dennoch konnte das Anwachsen des antiimperialistischen Befreiungskampfes nicht verhindert werden. In Peru und Panama (1968), in Bolivien (1970) und in Ecuador (1972) traten antiimperialistische Militärfraktionen die Macht an. Zudem bildeten sich linke und kirchliche Strömungen aus, die für demokratische und soziale Veränderungen eintraten.

Die Volksfrontbewegung Chiles war ein Höhepunkt dieser antiimperialistischen Bewegung in Südamerika. In Chile war die kapitalistische Entwicklung relativ weit fortgeschritten. Die Arbeiterklasse verfügte über kampfbereite Gewerkschaften mit sehr vielen Mitgliedern. Seit 1964 waren die sozialreformistischen Christdemokraten unter Fürung von Eduardo Frei an der Regierung.

Fahne der Unidad Popular

1969 gelang es der Kommunistischen Partei Chiles mit Luis Corvalan an der Spitze, mit der Unidad Popular (Volkseinheit) ein Bündnis linker Parteien zu bilden, dem neben den Sozialisten und den Kommunisten auch kleinbürgerliche und linkskatholische Oppositionsparteien angehörten. Bei den Präsidentschaftswahlen 1970 siegte die Unidad Popular knapp. Ihr Kandidat, der Sozialist Salvador Allende, erreichte 36,7% der Stimmen, gegenüber 34,9% des bürgerlichen Gegenkandidaten. Der christlich-demokratische Bewerber erhielt 27,8%.

Mit dem Antritt der "Regierung Allende" begann in Chile ein revolutionärer Prozess der antiimperialistischen und demokratischen Veränderungen, der sich das Ziel stellte, Chile vom Imperialismus unabhängig zu machen und die Voraussetzungen für den Übergang zum Sozialismus zu schaffen.

Die Regierung der Unidad Popular verstaatlichte ausländische Großunternehmen, Banken und nationalisierte die chilenischen Bodenschätze, besonders den Kupferbergbau. Innerhalb kurzer Zeit setzte sie erhebliche Verbesserungen der materiellen Lebenslage der werktätigen Klassen durch. Für jedes Kind gab es täglich einen halben Liter Milch, ebenso erhielt jedes Kind gratis ein Paar Schuhe. Die Gesundheitsversorgung war von nun an für jedermann kostenlos. Die Mieten und Lebensmittelpreise wurden eingefroren, die Löhne massiv angehoben. Durch eine Agrarreform wurden 20.000 Quadratkilometer (das ist etwa die halbe Fläche der Schweiz) an Kollektivwirtschaften übergeben. Die Arbeitslosigkeit wurde innerhalb kurzer Zeit halbiert und die Kindersterblichkeit um 20% gesenkt. Im ersten Jahr der "Allende-Regierung" 1971 erreichte Chiles Wirtschaft eine Wachstumsrate von 11%.

Dabei hatte die Unidad Popular von vornherein mit einer starken Gegnerschaft im Parlament und in Teilen der Armeeführung zu rechnen. Der Staatsapparat war von Gegnern der Unidad Popular durchsetzt. Die Macht war faktisch geteilt. Die Medien blieben weitgehend von der Oligachie und den Großindustriellen beherrscht.

Von Anfang an betrieb die Großbourgeoisie eine systematische Destabilisierung. Ihre Mittel waren neben einem Wirtschaftskrieg der Boykott der verfassungsmäßigen Organe. Noch vor Amtsantritt der Regierung der Unidad Popular wurde der als verfassungstreu geltende Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General René Schneider, mit Hilfe der CIA entführt und umgebracht. Sein Nachfolger, General Prats, trat zeitweilig in die Regierung ein, trat aber im Sommer 1973 von seinem Posten zurück. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Augusto Pinochet.

Gewerkschaftsmitglieder beim Wahlkamp
für die Unidad Popular

Im März 1973 vermochte die Unidad Popular ihre Wählerbasis zu erweitern und erreichte 44 Prozent der Stimmen. Das war für den US-Imperialismus und die einheimische Oligarchie Veranlassung genug, die Vorbereitungen zum gewaltsamen Sturz der "Regierung Allende" voranzutreiben. Die christdemokratische Partei trat offen ins Lager der Konterrevolution über. Verfassungstreue Offiziere wurden zurückgedrängt oder beseitigt.

Am 11. September 1973 schritten die Befehlshaber der Streitkräfte zum gewaltsamen Sturz der Regierung, ließen den Präsidentenpalast stürmen und ermordeten Präsident Allende.

Unter dem neuen Präsidenten General Pinochet wurde eine faschistische Diktatur errichtet. Sie eröffnete einen grausamen Terrorfeldzug gegen alle fortschrittlichen Kräfte im Land. Zehntausende von Antifaschisten wurden gefoltert und ermordet und über 200.000 Chilenen gingen ins Exil. Rund 2000 fanden in der DDR und 4000 in der BRD Zuflucht. Die Errungenschaften der Unidad Popular wurden beseitigt und das Land wieder vollständig dem Imperialismus zur Ausbeutung der Menschen und der Natur ausgeliefert.
 

Die Lehren der chilenischen Revolution

Die Ereignisse in Chile und die Niederlage der Unidad Popular bestätigten die Grundlagen der marxistisch-leninistischen Revolutionstheorie von der führenden Rolle der Arbeiterklasse, von der Notwendigkeit eines breiten Bündnisses mit anderen werktätigen Schichten und von der zentralen, in diesem Fall, fehlende Rolle der Partei.

September 1973: Mitarbeiter des Präsidenten Allende in Santiago de Chile werden von Soldaten überrumpelt, verhaftet und in das zum Internierungslager
umfunktionierten Nationalstadion gebracht

Sie bestätigen die Erfahrung, dass es unter günstigen Bedingungen zwar möglich ist, auf der Grundlage eines antiimperialistischen Bündnisses auf friedlichem Weg eine Revolution einzuleiten und einen Teil der Macht zu übernehmen aber sie beweisen auch, dass es unumgänglich ist das Volk zu bewaffnen. Es wurde deutlich, dass das revolutionäre Volk auf die Anwendung aller Kampfformen gefasst sein muss, da die Bourgeoisie nie freiwillig auf ihre Macht und ihre Privilegien verzichtet, und dass der Imperialismus zum Einsatz aller konterrevolutionären Mittel entschlossen ist, um seine Macht zu verteidigen bzw. zurück zu gewinnen.

Deshalb muss jede Revolution imstande sein, sich mit Waffen zu verteidigen *2.

*1 In diesem Fall die nationale Klasse der Großgrundbesitzer und Fabrikanten
*2 Siehe auch: Rosa Luxemburg: "Sozialreform oder Revolution"
 



Salvador Allende Gossens (1908 - 1973)

Salvador Allende wurde 1908 in Valparaíso geboren. Als Medizinstudent beteiligte er sich in den 1920er Jahren an Protesten gegen die Diktatur von Oberst Carlos Ibáñez del Campo, trat der Freimaurerei und der Sozialistischen Partei bei, deren Sekretär er 1933 wurde. 1937 wurde er ins Parlament gewählt, war von 1938-40 Gesundheitsminister der Linksregierung der Frente Popular.

Seit 1952 kandidierte er mehrmals für die Präsidentschaft und beteiligte sich ab 1969 an der Gründung der Unidad Popular als Bündnis der Sozialisten, Kommunisten und kleinerer Linksparteien.

In den Präsidentschaftswahlen 1970 besiegte Allende mit 36,7% der Stimmen die bürgerlichen Gegenkandidaten. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, lag die Wahl nun beim Parlament, wo Allende mit Hilfe der Christdemokraten gewählt wurde. Noch vor Amtsantritt überlebte er einen Mordanschlag, während der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General René Schneider, entführt und umgebracht wurde.

Durch Sabotageaktionen und Hunderte von Terroranschlägen auf Infrastrukturanlagen versuchte die Großbourgeoisie, das Land ins Chaos zu stürzen. Die Christdemokraten schlossen sich der rechtem Opposition an. Diese zettelte 1972 und 1973 Streiks von Bankangestellten und Lastwagenfahrern an.

Nachdem die Unidad Popular in den Parlamentswahlen 1973 ihren Stimmenanteil auf 44% erhöhen konnte, gab die rechte Opposition ihre Hoffnung auf eine Abwahl der Unidad Popular auf und beschloss die gewaltsame Beseitigung der Regierung. Regierungstreue Militärs wurden zum Rücktritt gedrängt, darunter der Obebefehlshaber General Prats, an dessen Stelle sein Stellvertreter rückte: Augusto Pinochet, der künftige Chef der faschistischen Militärjunta.

Am 11. September 1973 putschte das Militär gegen die Regierung. Allende weigerte sich, das Land zu verlassen, und fand beim Sturm auf den Präsidentenpalast den Tod.
 

Salvador Allendes letzte Rede an das Chilenische Volk am 11. September 1973,
übertragen von Radio Magellan ab 11.00 Uhr aus dem Regierungspalast La Moneda 

Ich werde mit meinem Leben die Verteidigung von Prinzipien bezahlen, die diesem Land teuer sind. Es wird ein Mantel der Schande auf die fallen, die ihre Pflicht verletzt, ihr Wort gebrochen und die Doktrin der Streitkräfte zerstört haben. Das Volk muss wachsam sein, es darf sich nicht provozieren und auch nicht massakrieren lassen. Aber es muss seine Errungenschaften verteidigen. Es muss das Recht verteidigen, mit seinen Kräften ein menschenwürdigeres und besseres Leben aufzubauen. Ein Wort für die, die sich Demokraten nennen, den Aufstand schürten, für die, die sich Vertreter des Volkes nennen, die grob und schmutzig gehandelt haben, um diesen Schritt zu ermöglichen. Sie bringen Chile an den Rand des Abgrunds. Im Namen der heiligsten Interessen des Volkes, im Namen des Vaterlandes rufe ich euch dazu auf, Zutrauen zu haben. Die Geschichte wird nicht aufgehalten, weder mit der Repression noch mit dem Verbrechen. Dies ist eine Etappe. Sie wird überwunden. Dies ist ein Moment hart und schwer. Es ist möglich, dass sie uns zerschmettern, aber der Morgen wird des Volkes sein, der Arbeiter. Die Menschheit schreitet voran, um ein besseres Leben zu erringen. Landsleute, es ist möglich, dass dieser Abschied endgültig ist. In diesem Augenblick fliegen die Flugzeuge über uns, es ist möglich, dass sie uns niederschiessen. Aber ihr sollt wissen, dass wir zumindest mit unserem Beispiel zeigen, dass es in diesem Land Menschen gibt, die ihre Aufgabe zu erfüllen wissen. Ich werde es tun mit dem Mandat des Volkes und mit dem bewussten Willen eines Präsidenten, der die Würde seines Amtes wahrt.

Archivbild: Salvador Allende bei einer Rede

Mitbürger, dies wird höchstwahrscheinlich die letzte Gelegenheit sein, dass ich mich an Sie wenden kann. Die Luftwaffe hat die Sendetürme von Radio Portales und Radio Corporaciôn bombardiert. Meine Worte enthalten keine Bitterkeit, jedoch Enttäuschung. Sie werden die moralisch Strafe sein für diejenigen, die ihren Schwur gebrochen haben. Soldaten Chiles! Ernannte Oberbefehlshaber, Admiral Morino, der sich selbst ernannt hat, der Herr Mendoza, dieser niederträchtige General, der noch gestern der Regierung seine Treue und Ergebenheit bekundete, und sich heute zum Generaldirektor der Carabinieros ernannt hat! Angesichts dieser Tatsachen bleibt mir nichts anderes, als vor den Werktätigen zu bekräftigen:

Ich werde nicht zurücktreten. In eine Periode historischen Übergangs gestellt, werde ich die Treue des Volkes mit meinem Leben entgelten. Und ich sage Ihnen, ich habe die Gewissheit, dass die Saat, die wir in das würdige Bewusstsein Tausender und Abertausender Chilenen gepflanzt haben, nicht herausgerissen werden kann. Sie haben die Gewalt, sie können uns unterjochen, aber die sozialen Prozesse kann man weder durch Verbrechen noch durch Gewalt aufhalten. Die Geschichte ist unser, sie wird von den Völkern geschrieben.

Werktätige meines Vaterlandes, ich danke Ihnen für die stets bekundete Treue, für das Vertrauen, das Sie in einen Mann gesetzt haben, der nur die Verkörperung der Sehnsucht nach Gerechtigkeit war, der sein Wort gab, Verfassung und Gesetz zu achten - und der das tat.

In diesem entscheidenden Moment, dem letzten in dem ich mich an Sie wenden kann, mögen Sie diese Lehre beherzigen: das Auslandskapital, der Imperialismus vereint mit der Reaktion, schufen das Klima, damit die Streitkräfte mit ihrer Tradition brachen, die sie General Schneider lehrte und die Comandante Araya bekräftigte. Sie wurden Opfer des gleichen sozialen Sektors, der heute darauf lauert, die Macht mit fremder Hilfe zurückzuerobern, um so seinen Besitz und seine Privilegien zu verteidigen. Ich wende mich vor allem an die einfache Frau unseres Landes, an die Bäuerin, die an uns glaubte, an die Arbeiterin, die noch mehr schuf, an die Mutter, die um unsere Sorge um die Kinder wusste, ich wende mich an die Vertreter der wissenschaftlich-technischen Intelligenz unseres Landes, an alle die Patrioten unter ihnen, die seit Tagen gegen die Verschwörung der Berufsverbände arbeiteten, jener Klassenverbände, die nur die Vorteile, die die kapitalistische Gesellschaft einigen wenigen einräumt, verteidigen.

Ich wende mich an die Jugend, an die, die sangen, die sich mit Fröhlichkeit und Kampfgeist einsetzten. Ich wende mich an die Männer Chiles, die Arbeiter, Bauern, Intellektuellen, an diejenigen, die verfolgt sein werden, denn in unserem Lande wütet der Faschismus schon seit vielen Stunden mit vielen Terroranschlägen, sprengt Brücken, blockiert Eisenbahnlinien und zerstört Öl- und Gasleitungen. Demgegenüber steht das Schweigen derjenigen, die die Verpflichtung gehabt hätten, dagegen vorzugehen. Die Geschichte wird sie richten. Sicherlich wird Radio Magallanes zum Schweigen gebracht, und der ruhige Klang meiner Stimme wird nicht zu Ihnen gelangen. Das macht nichts. Sie werden mich weiter hören. Ich werde immer unter Ihnen sein, zumindest die Erinnerung an mich, an einen würdigen Menschen, der der Sache des werktätigen Volkes die Treue hielt.

Das Volk soll sich verteidigen, aber es soll sich nicht opfern. Das Volk darf sich nicht unterjochen und quälen lassen, aber es kann sich auch nicht erniedrigen lassen.

Werktätige meines Vaterlandes, ich glaube an Chile und seine Zukunft. Andere nach mir werden auch diese bitteren und dunklen Augenblicke überwinden, in denen der Verrat versucht, sich durchzusetzen. Sie sollen wissen, dass eher früher als später wahre Menschen auf breiten Strassen marschieren werden, um eine bessere Gesellschaft aufzubauen.

Es lebe Chile! Es leben die Werktätigen! Es lebe das Volk! Das sind meine letzten Worte. Ich habe die Gewissheit, dass mein Opfer nicht umsonst sein wird. Ich habe die Gewissheit, dass es zumindest eine moralische Lektion sein wird, die die Feigheit und den Verrat strafen wird.
 



Víctor Jara (1938 - 1973)

Víctor Jara, Schauspieler, Regisseur, Sänger, Liedermacher und Komponist, war einer der großen Helden Chiles, eine der Lichtgestalten in Lateinamerika, ein Che Guevara mit Gitarre.

Harry Belafonte schrieb über ihn: "Víctor Jara war ein Künstler. Er war einer von uns. Die Trauer über unseren toten Helden macht ihn nicht wieder lebendig. Aber die Erfüllung seines Traumes von einer Welt der Menschlichkeit, der Liebe und des Friedens wird ihn unsterblich machen".

Víctor Jara war ein fester Bestandteil des chilenischen Volkes, ein Freund aller ausgebeuteten und unterdrückten Menschen der ganzen Welt. Seine Liebes- und Kampflieder machten Mut und schafften Solidarität. Sein unerschütterlicher Drang nach Frieden, Gerechtigkeit, seine Aufrichtigkeit und seine Treue zum chilenischen Volk machten ihn zum innigen, vielleicht sogar besten Freund von Dean Reed. Viele Wege sind sie gemeinsam gegangen. Als die Verbitterung über den grausamen Mord an Victor langsam in Dean Reeds Herz verklang, gelang es ihm seine Trauer in Stärke zu verwandeln und er setzte ihm mit seinem Film El Cantor ein bleibendes Denkmal. Wer war dieser stolze Kämpfer?

Víctor Jara wurde im Jahre 1938 als Sohn einer Wäscherin und eines Landarbeiters geboren. Dank seines Talents und seines Willens studierte er trotz der sozialen Schranken an der Universität von Santiago und wurde ein bekannter Schauspieler und Regisseur. Mit der Zeit machte er sich auch als Sänger und Liedermacher einen Namen, zuerst mit traditionellen Liedern, später auch mit eigenen, politischen Chansons. Jara unterstützte nicht nur die Unidad Popular und Salvador Allende im Wahlkampf, er wurde zur Stimme der Hoffnung des chilenischen Volkes auf Freiheit und Gerechtigkeit.

Während des Putsches in Chile im Jahre 1973 wurde Víctor Jara zusammen mit Tausenden Kampfesgenossen in ein provisorisches Internierungslager, das im Nationalstadion von Santiago de Chile errichtet wurde, eingesperrt. Als er sich gegenüber einem Aufseher zu erkennen gab, hackte dieser dem Musiker mit einem Beil die Finger beider Hände ab. Er sang trotzdem weiter und wurde schließlich erschossen und sein Leichnam, durchsät von Dutzenden Schusswunden, im Stadion verscharrt. Aber ihr Ziel, Víctor Jara zum Schweigen zu bringen, haben die Häscher des Faschismus nicht erreicht. Im Gegenteil, der Geist dieses Verkünders der Menschlichkeit lebt fort, solange man seine Lieder singt und hört.

 

Victor Jaras letztes Gedicht, geschrieben vor seinem Tod im
Nationalstadion von Santiago de Chile im September 1973

Es sind fünftausend von uns hier
in diesem kleinen Stückchen Stadt.
Wir sind fünftausend.
Ich wüßte gern, wie viele wir sind
in den Städten und im ganzen Land?
Hier allein
sind zehntausend Hände, die pflanzen
und die Fabriken betreiben.
Wie viel Menschlichkeit
ausgesetzt dem Hunger, der Kälte, der Angst, der Qual,
der Unterdrückung, dem Terror, dem Wahnsinn?
Sechs von uns sind verloren
wie im Weltraum.
Einer tot, einer geschlagen, wie ich nie geglaubt hätte,
dass ein Menschenwesen geschlagen werden kann.
Die anderen vier wollten ihre Qualen beenden -
einer sprang ins Nichts,
einer schlug den Kopf gegen die Mauer,
aber alle mit dem starren Blick des Todes.
Was für ein Grauen die Fratze des Faschismus schafft!
Sie führen ihre Pläne mit der Präzision von Messern aus.
Ihnen ist alles gleich.
Für sie ist Blut wie ein Orden,
Schlächterei eine Heldentat.
O Gott, ist das die Welt, die du geschaffen hast?
Dafür deine sieben Tage voll Wundern und Taten?
 

In diesen vier Wänden gibt es nur eine Zahl,
die sich nicht vermehrt.
Die sich mehr und mehr nach dem Tode sehnt.
Aber plötzlich erwacht mein Gewissen
und ich sehe diesen Strom ohne Herzklopfen,
nur den Rhythmus von Maschinen
und die Militärs, die ihre Hebammen-Gesichter aufsetzen,
voller Zärtlichkeit.
Lasst Mexico, Cuba und die Welt
gegen diese Schändlichkeit protestieren!
Wir sind zehntausend Hände,
die nichts produzieren können.
Wie viele von uns im ganzen Land?
Das Blut unseres Präsidenten, unseres compañeros,
wird kühner kämpfen als Bomben und Maschinenge-wehre!
Auch unsere Faust wird wieder kämpfen.

Wie schwer ist das Singen,
wenn ich den Schrecken singen muss.
Den Schrecken, den ich lebe,
den Schrecken, den ich sterbe.
Mich selbst unter so vielen sehen
und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,
in denen Schweigen und Schreie
 



Kommentare und Informationen

Dean Reed, Berlin, DDR, 1984
Amtseinführung Präsident Allendes

Ein einziges Mal habe ich mich damals in Chile in einer Welt bewegt, die äußerlich der entsprach, die ich ein knappes Jahrzehnt zuvor als junger, frisch aus Hollywood angereister Sänger angetroffen habe. Ich trug einen seriösen schwarzen Anzug wie alle anderen Männer mit Ausnahme der Militärs, die ihre Galauniformen angelegt hatten. Die anwesenden Frauen waren in ihren schönsten Kleidern erschienen. In den Gläsern perlte Champagner, der von livrierten Kellnern eingeschenkt worden war.

Doch die Ähnlichkeit mit der Welt von gestern war nur scheinbar. Die Eleganz war nur Ausdruck offiziellen Protokolls. Denn die Gespräche, die an jenem Tag geführt wurden, unterschieden sich von dem banalen Gewäsch der High Society wie ein Cowboy von seinem Boss. Und das war kein Wunder; denn viele der Anwesenden hatten solch eine Festveranstaltung noch nie erlebt. Zum erstenmal in der Geschichte Chiles waren Vertreter des Volkes in der Moneda, dem Präsidentenpalast in Santiago, zusammengekommen. Das war am 4. November 1970, dem Tag, da Dr. Salvador Allende mit traditionellem Zeremoiell in sein Amt eingeführt wurde.

Diesen hervorragenden Staatsmann, der für seine Überzeugung mit der Waffe in der Hand in den Tod gegangen ist, werde ich nie vergessen. Die Schlichtheit im Umgang mit seinen Landsleuten, das Verständnis für die Nöte der Armen, die Überlegenheit gegenüber Provokateuren, die ich auf mehreren Versammlungen erlebt habe, kennzeichneten ihn als einen wahrhaft großen Menschen.

Vier Monate war ich damals in Chile, und als ich das Land verließ, tat ich das mit Wehmut im Herzen. Ich will heute, da ich um so viele Freunde trauere, die ich im Land der Unidad Popular gefunden hatte, nicht mehr sagen, als was ich damals gesagt habe. Am 25. Mai 1971 war in den großen Zeitungen Chiles, so in "El Clarin", in "La Nación" und in "El Siglo", mein Abschiedsgruß an das chilenische Volk zu lesen.

Aus: Dean Reed, Aus meinem Leben. Aufgeschrieben von Hans-Dieter Bräuer; 2. aktualisierte und erweiterte Auflage; Edition Peters, Leipzig/Dresden 1984; S. 91
 



Nico Diener, Kiel, BRD, 2008
Am 11. September 1973 wurde in Chile die Demokratie im Blut ertränkt

Am 4. September 1970 brach in Chile eine neue Zeit an. Die Unidad Popular, ein Bündnis linker Parteien, stellt den neuen Präsidenten. Der Mann mit den dick umrandeten Brillengläsern und dem väterlichen Lächeln wurde ein Symbol, sein Name: Dr. Salvador Allende.

Der vorhergegangene Wahlkampf der Unidad Popular war so vielfältig und gründlich geführt worden, dass es in dem kleinen langgezogenen Andenstaat kaum einen Arbeiter, Bauern und Studenten gab, der nicht über ihre Ziele informiert war. In hunderten von kleinen und großen Kundgebungen und Manifestationen sprach Salvador Allende zum chilenischen Volk. Und sie haben ihn verstanden, denn es war ihre Sprache, die er sprach. Die Kundgebungen wurden begleitet von Künstlern wie Victor Jara, Isabell und Angel Parra, Dean Reed und anderen. Alle stellten ihre Kunst unentgeltlich in den Dienst für ein gerechtes, sozialistisches Chile.
weiter>>>

 



Dean Reed, Berlin, DDR, 1984
Dean Reed über Víctor Jara

Auf Einladung Salvador Allendes war Dean Reed 1970 nach Chile gegangen, um einige Monate lang für die Gewerkschaft zu arbeiten. Damals hatte er Víctor Jara kennengelernt. Zusammen waren sie in verschiedenen Städten auf Kundgebungen aufgetreten, hatten Betriebsversammlungen besucht, gesungen und mit Arbeitern diskutiert. "Víctor war ein sehr lebensfroher Mensch", erinnert sich Dean Reed, "und dabei sehr bescheiden. Meist saß er etwas abseits und spielte für sich auf der Gitarre. Erst wenn er auf der Bühne stand, lebte er richtig auf." Als man Víctor Jara einmal bat, eine Rede zu halten, sträubte er sich. Ein Sänger sei er und kein Redner und hielt während der Rede seine Gitarre in den Händen.
 


Michael Renner, BRD, 2009
Ein Tiefpunkt der westlichen Moral

nicht nur die USA machten sich an diesem 11. Sep, schuldig. Auch andere Länder der sogenannten Freien Welt lobten den Diktator, statt die Republik zu verteidigen. Franz Joseph Strauss sagte nach dem Putsch "Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang". Bruno Heck, damals Generalsekretär der CDU, schrieb in seinen Untersuchungsbericht Das Leben im Stadion ist bei schönem Wetter ganz angenehm. Wirkliche Hilfe, beispielsweise durch ausschleussen von politisch Verfolgten, gab es in nennenswertem Umfang nur aus dem Osten. Gerade der Osten, dem wir uns hier im Westen moralisch so überlegen fühlten.
Und so wundert es nicht, dass der Greise Erich Honecker Asyl im zwischenzeitlich wieder demokratischen Chile fand. War es doch die DDR, die vielen Angehörigen der Regierung Allende aufnahm. Und das ist der Grund warum Frau Honecker, noch immer politisches Asyhl geniest. Und auch, warum die Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet, in der DDR aufwuchs.

 



Nico Diener, Kiel, BRD, 2008
Die US-Verantwortung am faschistischen Putsch vom 11. September 1973 in Chile

Die Demokratie müsse von Zeit zu Zeit "in Blut gebadet" werden, teilte der chilenische General Augusto Pinochet vor 30 Jahren einem Besucher mit. Es war kurz nach dem 11. September 1973, an dem er den Befehl aus dem Weißen Haus in Washington ausgeführt hatte, den Präsidenten der Republik Chile, Dr. Salvador Allende, wegzuputschen. Ein chilenischer Untersuchungsrichter forderte den vermutlich größten noch lebenden Kriegsverbrecher des vergangenen Jahrhunderts, den damaligen US-Außenminister Henry Kissinger, im Frühjahr 2002 auf, als Zeuge zu einem Mord der Putschisten an einem US-Bürger auszusagen. Seitdem meidet er viele Länder der Welt.

Die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre Hintermänner in Banken und Konzernen, wie z. B. der Telekommunikationsmulti ITT, tragen eine direkte Verantwortung für den blutigen Putsch und die nachfolgenden schweren Menschenrechts-verletzungen in Chile. Bereits am 6. April 1972 war in der Washington Post zu lesen, dass von der US-Regierung Agenten der CIA und des State Departments nach Chile entsandt worden waren. Die "Agentur für internationale Entwicklung" (AID) der USA versorgte die CIA mit den notwendigen Mitteln für den Kampf gegen die Unidad Popular und für die Finanzierung der verschiedenen oppositionellen Gruppierungen in Chile. Der korrupte US-Präsident Nixon und sein "Sicherheitsberater" Kissinger unternahmen buchstäblich alles, um einen Wahlsieg der Unidad Popular und ihres Kandidaten Salvador Allende zu verhindern. Sie konferierten wiederholt mit CIA-Boss Richard Helms, erteilten ihm eine Generalvollmacht und machten Millionen Dollars locker.
weiter>>>

 



Nico Diener, Kiel, BRD, 2008
Salvador Allende - Selbstmord mit 17 Kugeln

Am 12. September 1973, dem Tag nach dem Putsch, führte General Javier Palacios, der Kommandeur der Angreifer, einige ausgewählte Journalisten siegesstolz durch die schwer beschädigte La Moneda, den Präsidentenpalast Allendes. Über den ermordeten Präsidenten sagt der General: "(...) er, der bewaffnet war und der geschossen hatte - das konnten wir feststellen, seine Hände waren voller Pulver und alles war voller Hülsen - also er hat bis zuletzt auf uns geschossen und wir haben ihn aufgefordert sich zu ergeben. (...) Ein Offizier wird Ihnen nun das automatische Gewehr des Ex-Präsidenten zeigen, Sie können filmen und fotografieren."

Noch am selben Nachmittag verkündete der Putschistensender "Agricultura", dass ein gewisser Hauptmann Garrido den Marxisten Allende mit eigener Hand durch Kopfschuss getötet habe.

Der Putschisten-Junta passten die Nachrichten von Allendes aufrichtigem Tod nicht ins Konzept. Sie erteilten deshalb den Zeitungen und Radio- und Fernsehsendern den Befehl, die Lüge vom Selbstmord zu verbreiten. So geschah es. Und so geschieht es bis auf den heutigen Tag. Die Junta-Lüge ist heute sogar noch stärker verbreitet als zu ihrer Entstehungszeit. Obwohl sie doch längst widerlegt ist. Kein Selbstmörder jagt sich 17 Kugeln verschiedenen Kalibers in den Leib.
 



Robert Perschmann, Chaska, Minnesota, 2003
Chile

In 1986 I went to a local performance of Canto General by Neruda. It was yet another eye opener for me. In the early 1970's I listened to Carlos Hagen, a University of California Los Angeles professor, from Chile. He talked with joy about the Allende government. So, as the coup happened, I was a young American who understood something of what it was all about. As the years have gone by, I refused to buy the beautiful Chilean fruit that filled my grocery store in winter. Big help, hmm? Just last week I listened to Isabel Allende speak to the American National Press Club. She was quite wonderful. Now she lives in San Rafael California, where I used to work... and listen to Carlos Hagen on the radio.

I hope that the United Nations allows Bush to stew in Iraq. More important than the recovery of Iraq is the prevention of future preemptive invasions.
 



Robert Perschmann, Chaska, Minnesota, 2003
Thirty years ago

Thirty years ago, September 11, 1973, General Augusto Pinochet lead an American CIA supported coup in Chile against democratically elected Salvadore Allende. Allende was assassinated and the military government spread the news that he committed suicide. The horror of the Pinochet military government did not end until 1990. The right wing of Chile, who continue to adore him, have so far protected him from prosecution for his crimes.

Former political prisoner Tito Tricot, an independent journalist and a sociologist, said, "...We in Latin America have ample experience with US terrorist tactics. In our continent alone 90,000 people disappeared as a direct result of the operation of the School of the Americas and US "counterinsurgency" policies...." ("Guardian Unlimited" September 16, 2002)
 


 

Diese Website wird laufend aktualisiert wenn es neue Programmpunkte gibt
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

victor

ns

et

kme

afb